Nationalstolz, der - aus aktuellem Anlass
Schopenhauer hat einen schöne Passage zum Stolz (in Relation zu Rum udn Ehre und im Konteext zu dem 'was einer ist' im Ggs. zu 'was einer hat' (alles IIRC)) in seinen 'Aphorismen zur Lebensweisheit':
Die wohlfeilste Art des Stolzes hingegen ist der Nationalstolz. Denn er verrät in dem damit Behafteten den Mangel an individuellen Eigenschaften, auf die er stolz sein könnte, indem er sonst nicht zu dem greifen würde, was er mit so vielen Millionen teilt. Wer bedeutende persönliche Vorzüge besitzt, wird vielmehr die Fehler seiner eigenen Nation, da er sie beständig vor Augen hat, am deutlichsten erkennen. Aber jeder erbärmliche Tropf, der nichts in der Welt hat, darauf er stolz sein könnte, ergreift das letzte Mittel, auf die Nation, der er gerade angehört, stolz zu sein. Hieran erholt er sich und ist nun dankbarlich bereit, alle Fehler und Torheiten, die ihr eigen sind, mit Händen und Füßen zu verteidigen.
[Arthur Schopenhauer]
Die wohlfeilste Art des Stolzes hingegen ist der Nationalstolz. Denn er verrät in dem damit Behafteten den Mangel an individuellen Eigenschaften, auf die er stolz sein könnte, indem er sonst nicht zu dem greifen würde, was er mit so vielen Millionen teilt. Wer bedeutende persönliche Vorzüge besitzt, wird vielmehr die Fehler seiner eigenen Nation, da er sie beständig vor Augen hat, am deutlichsten erkennen. Aber jeder erbärmliche Tropf, der nichts in der Welt hat, darauf er stolz sein könnte, ergreift das letzte Mittel, auf die Nation, der er gerade angehört, stolz zu sein. Hieran erholt er sich und ist nun dankbarlich bereit, alle Fehler und Torheiten, die ihr eigen sind, mit Händen und Füßen zu verteidigen.
[Arthur Schopenhauer]
OliverG - 20. Jun, 11:01

Nationalstolz
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ich mag das ja
(wie könnte ich stolz auf goethe oder andenauer oder luther sein? ich habe an deren leistungen keinerlei anteil. wie kann ist stolz auf den 'gemeinsamen nenner der deutschen soziokultur' sein?)
Ich kann aber das, was ich als 'deutsche errungenschaften' bezeichnen würde (also einigung (nicht 1989 ;) ), friedliche revolution (88ff.), philosophie (hegel, kant, schopenhauer, nietzsche; wittgenstein hätt ich gern, passt aber nicht ;) ) etc. pp. als etwas ansehen, was ich verbreite und fördere. das wäre aus meiner suicht eine sinnvolle form des patriotismus.
und warum...
ich finde es echt furchtbar, dass sich die identität der meisten menschen an ihrer nation hängt. willkürlich gezogene grenzen, stets versetzt durch kriege, geführt im namen von gier und ignoranz. oh ja, das ist wirklich ein grund stolz zu sein. und etwas das unterstützenswert ist... denn gott behüte, es würde sich eine globale gesellschaft formen, in der sich personen in erster linie als menschen sehen und nicht als deutsche, japaner, amerikaner, etc. (und nehmen wir die religion auch gleich mit rein, ein weiterer wesentlicher übeltäter -> nicht als christen, juden, muslime, etc.). da wäre es nicht mehr so wirklich möglich kriege zu führen oder bestimmte regionen der welt auszubeuten - immerhin würde man sich damit nur selber schaden. was für eine horrorvision...